Thursday, May 15, 2008

Tehanu

Ursula K. Le Guin hat ihre „Erdsee-Saga“ um die Inselwelt „Erdsee“ aufgebaut, auf der es Drachen und Magier gibt. Seit jeher sind Männer die Magier, sie haben das Wissen und das Können, während es Frauen nur übrig bleibt als ungelernte Hexen zu agieren und die Dinge des alltäglichen Lebens zu richten. Der oberste Magier der Erdsee ist Ged, der als Hauptfigur der Saga von Band Eins bis Drei auftrat. Man lernte ihn als Jungen kennen und erlebte schließlich, wie er zum Obersten Magier gewählt wurde. Ihm ist es zu verdanken, dass die Erdsee wieder einen König hat, der Frieden auf die Welt bringt, die Menschen schützt und, unterstützt durch den Rat der Magier, sich für das Gute einsetzt.

Goha ist eine ältere Witwe, die einst von Ged von den kargischen Inseln nach Gont gebracht wurde. Dort war sie ein junges Mädchen, welches als Priesterin agierte. Die „Gräber von Atuan“ waren ihre Heimat, doch nun lebt sie auf Gont, hat dort die Lebensweise einer Bäuerin angenommen und ihre Zeit als Hohepriesterin hinter sich gelassen. Doch weiß sie vieles, was sich der normale Mensch nicht zu denken vermag. Von Geds altem Lehrer wurde sie unterrichtet und den Obersten Magier kennt sie persönlich. Von einer Freundin erfuhr sie, dass ein junges Mädchen schwer misshandelt und halb verbrannt wurde. Dieses Mädchen nahm sie bei sich auf, nicht nur der Körper hat schwere Narben erhalten, auch der Geist des Mädchens ist schwer beschädigt. Sie wirkt weltentrückt, ohne Vertrauen zu Menschen, ganz besonders Männern gegenüber zeigt sie eine Abneigung. Die meisten Menschen haben Angst vor ihr und weichen ihr aus. Doch Goha nimmt sich dieses armen Mädchens an und nimmt sie mit zu Geds altem Lehrmeister, der sie gerufen hat. Er liegt ihm sterben und gibt ihr als letztes mit auf den Weg, dass die anderen das Mädchen fürchten werden, sie aber das Mädchen unterrichten soll. Was auch immer dies bedeutet mag, Goha versteht es nicht.

Wenige Tage später erlebt sie dann, wie ein Drache unweit des Hauses landet und den bewusstlosen Ged auf seinem Rücken mit sich führt. Ged ist schwer gezeichnet und erholt sich nur langsam. Doch nach und nach wird offensichtlich, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Er hat seine gesamte Macht verloren. Nun sucht er die Einsamkeit, versteckt sich vor den Magiern und den Männern des Königs. Für Goha steht nun eine harte Zeit bevor. Einen geliebten Menschen hat sie verloren, ein anderer Mensch, den sie sehr leibt, hat alle Macht verloren und ein dritter Mensch, das kleine Mädchen, macht allen anderen Angst und zugleich wird sie verfolgt, von den Männern, die sie einst halb verbrannten. Zudem kommt hinzu, dass die Erdsee in einer Umbruchszeit ist. Endlich sorgt ein König wieder für Recht und Ordnung, doch gefällt dies nicht jedem. Zugleich gibt es aber auch keinen Obersten Magier, denn der eigentliche hat seine Macht verloren und ein neuer kann nicht gefunden werden. Was soll da die Prophezeiung heißen, dass nach einer Frau auf Gont zu suchen sei? Frauen können keine Magier sein, wieso soll also eine Frau gesucht werden? Die Erdsee steht vor einer schwierigen und alles verändernden Zeit.

Im vierten Teil der „Erdesee-Saga“ steht diesmal nicht Ged im Vordergrund, sondern Goha, die man aus den „Gräbern von Atuan“ schon kennt. Aber Ged spielt wieder eine wichtige Rolle. Man erfährt, wie es nach dem dritten Teil weitergegangen ist und die ersten Versuche des neuen Königs, die Erdesee zu regieren, bekommt man ebenfalls mit. Neben dieser Fortführung der Story, greift Le Guin aber diesmal ein Thema auf, welches sie bisher nicht thematisiert hatte, nämlich die Geschlechterrollen.

Auf der Erdsee gibt es klare Geschlechterrollen, die auf Vorurteilen basieren, aber nicht ohne weiteres überwunden werden können. Diese werden aber im vierten Band in Frage gestellt, nie ganz offen, aber Le Guin schafft es unterschwellig diese Thematik aufzugreifen. Wie immer geht es in Le Guins Romanen nicht rasant zu, vielmehr sind es die Konflikte und der Alltag die die Thematik darstellen und nicht so sehr flackernde Magie, wilde Kämpfe und kolossale Ungeheuer. Bis auf eine einzige kleine Szene gibt es keinen Kampf im Buch und diese Szene wird auch nur rückblickend geschildert. Damit fällt Le Guins Stil sicherlich etwas aus dem Rahmen, dies macht ihre Bücher aber umso beeindruckender.

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