
Der junge Dorfhexer Erle ist untröstlich, als er sich auf den Weg zu Sperber macht, dem früheren Erzmagier der Erdsee. Von Sperber, dessen Wahrer Name Ged lautet, erhofft Erle sich Erlösung oder zumindest Rat für seine Misere. Der einsam auf seinem kleinen Gehöft auf der Insel Gont lebende Sperber lässt sich von Erle geduldig seine Geschichte erzählen.
Nacht für Nacht nämlich plagen ihn Albträume und tagsüber Illusionen, in denen er in ein düsteres, trockenes Land geht, bis er auf einen kahlen Hang gelangt, an dessen Fuße eine Steinmauer verläuft. Und auf der anderen Seite dieser Mauer wird Erles Seele von Lily, seiner dahingeschiedenen Liebe, gerufen. Er möge sie befreien. Als er sie küsst, trägt er schwarze Flecken davon, und als sie seinen Unterarm umklammert, bilden sich auch dort dunkle Flecken. Doch auf der anderen Seite der Mauer, im trockenen Land, das einst auch Ged besuchte, sieht Erle noch viele andere Seelen wie Lily, die um Befreiung flehen. Doch als er Lily bei ihrem Wahren Namen ruft, antwortet sie, dies sei nicht ihr Name.
Was mag dieser wiederkehrende Alptraum seiner schlaflosen Nächte wohl bedeuten, fragt Erle. Nun, vorerst schenkt ihm Ged ein kleines Kätzchen, das Erle im Schlaf Gesellschaft leistet. Fortan ist sein Schlaf tief und traumlos. Doch ist das Kätzchen mal weg, kehren die Traumbilder wieder. Ged schickt ihn nach Havnor, zu König Lebannen, der früher Arren hieß.
In Havnor, der Hauptstadt des Inneren Inselreiches, steht der Königspalast in all seiner Pracht, und Erle, der Ärmste, braucht einen halben Tag, bis er zum König vorgelassen wird, dem er Grüße von Ged, seinem Lebensretter, ausrichtet. Lebannen ist selbstverständlich ganz Ohr für das, was Erle zu berichten hat. Könnte ein Zusammenhang bestehen mit den schlimmen Nachrichten, die ihn von den Inseln im Westen Havnors erreicht haben? Dass Drachen die Ernten der Bauern vernichten, sie von ihren Gehöften vertreiben und ihre Länder zurückhaben wollen?
Nun soll ein Drachenrat der Magier, Kanzler, Würdenträger usw. Licht in die neue Lage bringen. Niemand lacht über Erle, niemand lacht über Tenar und ihre Ziehtochter Tehanu und schon gar nicht lacht jemand über den großen goldenen Drachen, den Lebannen aus dem Westen hat rufen lassen: Irian.
Nun steht die Drachentochter in menschlicher Gestalt neben des Königs Thron und erzählt von uralten Dingen, vom Anbeginn aller Dinge in der Erdsee. Dass nämlich einst Drachen und Menschen eins waren, sich dann aber in drei Völker trennten: in Drachen, Kargish und hardische Menschen. Die Drachen entsagten damals Besitz und Technik, und entschieden sich für die Alte Sprache, die Sprache des Schöpfens, und für das Fliegen auf dem Anderen Wind (vgl. Originaltitel). Folglich ist ihr Leben potenziell ewig.
Die Menschen aber wollten Dinge, Besitz und eigene Kreativität, verloren dafür aber die Alte Sprache und wurden sterblich. (Einzige Ausnahme: die Magier auf Rok.) Die Kargish bewahrten sich die Erinnerung an beides, doch die Drachen kannten sie nur als kleine Echsen, denen sie einmal im Jahr Ehre erwiesen, und Magier duldeten sie überhaupt keine. (Eine Kargish-Prinzessin weilt am Hofe des Königs, sie soll seine Frau werden. Tenar, ihrer Kargish-Freundin, erzählte sie von diesen geheimen Dingen.)
Erles Alptraum beweist, dass eine künstliche Trennung, jene Steinmauer, die Seelen der menschlichen Toten daran hindert, in das allumfassende Nichts zu gehen, um mit der Schöpfung wieder vereint zu werden. Sie sind zu ewigem Nichtleben und Untod verdammt.
Der Drachenrat beschließt, die Magier auf Rok um Rat zu fragen. Irian ist ebenso begeistert davon wie Tenar, und mehrere Magier freuen sich mit ihnen, endlich den Immanenten Hain besuchen zu dürfen, den magischen Wald der Erdsee. Und wahrhaftig: Dort entscheidet sich das Schicksal der Welt, der Friede aller Seelen ...
Erles magische Kunst bestand darin, zerbrochene Dinge wieder ganz machen zu können. Obwohl er es nicht ahnt, fügt er die Grundfesten der Erdsee wieder zusammen. Und er ist wieder mit Lily vereint.
No comments:
Post a Comment